Eloni und ich – was heisst erziehen?
Eloni ist eine Zwergpudel Hündin aus meinem eigenen Wurf. Ich kann nicht behaupten, dass in der Zucht (fremde Aufzucht) etwas passierte was mir verschwiegen wurde.
Ich liess mich zur Welpengruppen Leiterin ausbilden und ich bin nicht gerade eine unerfahrene Hundehalterin. Eloni`s Mutter und Halbschwester wohnen auch bei uns. Ein tolles, unkompliziertes Trio. Bis eines Tages folgendes passierte:
Nach dem Spaziergang habe ich alle Hunde ins Auto in ihre Boxen geladen. Selbst bin ich auch eingestiegen. Nach einer kurzen Pause nahm ich jeden Hund einzeln zu mir und begann etwas lockeres zu arbeiten. Ein Ritual, welches sich bewährte. Zuletzt nahm ich Eloni aus dem Auto. Damals war sie gerade etwa ein Jahr alt. Sie war nicht angeleint. Wir begannen mit einem Spielzeug zu spielen. Von weitem sah ich das Gemeindeauto welches dabei war, die Robidog zu leeren. Ich nahm Eloni zu mir und hielt sie am Brustgeschirr, so dass das Auto an uns vorbei fahren konnte. Eloni schaute dem „Ungeheuer“ nach (Heute weiss ich, dass ich meine Hündin nicht einfach hätte schauen lassen dürfen, ohne ihr zu helfen). Dann nahm sie wieder Kontakt auf und ich wollte weiter spielen. Eloni rannte dem Gemeindeauto hinterher. Ich begann ihr zu rufen. Eloni reagierte nicht. Dann, als das Auto anhielt, kehrte sie um - an mir vorbei - dort hin von wo das Auto her kam. Und das war eine weite Distanz. Zum Glück waren wir auf Feldwegen. Also ungefährlich. Ich war auf diese Action nicht vorbereitet. Ganz schnell nahm ich eine Handvoll Frolic aus dem Auto, zerdrückte das Futter ein wenig in den Händen und streute es auf den Boden. Eloni kehrte kurz vor dem Wald und rannte zu mir. Sie näherte sich eher verhalten. Dann zeigte ich ihr das Futter auf dem Boden. Ruhig konnte ich sie dann zu mir nehmen. Ich lud sie in ihre Box, setzte mich wie gelähmt ins Auto und musste zuerst durchatmen. Etwa zwei Tage zuvor heulte neben Eloni ein gelber Sportwagen auf und beschleunigte sein Tempo von Null auf viel zu schnell… Eloni erschrak.
Eloni konnte nicht mehr an der lockeren Leine laufen. Sie streckte ihren Kopf um jedes vorbeifahrende Auto anzubellen. Ich ging nicht mehr dort hin wo uns das Gemeindeauto entgegen kam, auch ging ich nicht mehr der Strasse entlang. Das Geschehene konnte ich aber auch nicht ungeschehen machen. Eloni ging mit mir alleine spazieren. Ich fühlte mich unbeholfen. Eloni riss mich durch die Gegend. So kannte ich sie nicht mehr.
Braucht es vielleicht ein neues Kommando? Neue Belohnungshappen? Wofür belohnen? Welches Kommando,- und wofür? Ich fühlte mich in der Hundeerziehung noch nie so hilflos. Bald hörte ich auf Kolleginnen welche auch schon einmal ähnliches durchgemacht hatten. Ich versuchte alles was mir empfohlen wurde.
Dann kehrte ich in mich. Plötzlich spürte ich das ich unfair gegenüber Eloni werden könnte. Das wollte ich keinesfalls.
Eine Kollegin gab mir die Adresse der Familie Meuri. So wählte ich die Nummer und Cindy nahm meinen Anruf entgegen. Ich erklärte ihr wer ich bin und was ich mache. Auch erklärte ich ihr das ich mit Nero (mein erster Pudel- er starb mit 14 Jahren im Februar 2018) Begleithund 1, 2 und 3 absolvierte.
Nun wollte ich gerne wissen wie Familie Meuri arbeitet. Ich wollte ohne Schmerzen und ohne Druck ans Ziel kommen. Also gewaltfrei. Gewalt beginnt dort wo das Wissen aufhört. Wann beginnt Gewalt und was ist Druck?
Cindy erklärte mir, dass ohne mit dem Hund zu reden und ohne Futter gearbeitet wird. Diese Methode war mir sehr fremd, machte mich aber neugierig. Also bekam ich meinen ersten Termin am 04. Januar 2018.
Beat Meuri sah sich uns an und begann zu erklären. Da für mich alles so enorm neu war, wusste ich zu Hause fast nichts mehr. Entscheidend um weitere Lektionen zu besuchen war folgendes: Eloni wurde sanft angeleitet und Beat konnte alles was er erklärte auch vorzeigen.
Bald folgte eine weitere Einzellektion. Wir trafen uns in Münchwilen und gingen an die Murg. Links von mir ging Beat. In meiner linken Hand hielt ich Eloni an einer langen Schleppleine. Eloni ging weit voraus und stöberte wie „gestört“ mit der Nase auf dem Boden hin und her. Beat erklärte mir das
dieses Verhalten verschwindet, sobald ich ihr durch meine Sicherheit helfen kann. Er erklärte mir ganz ruhig (worüber ich staunte und gleichzeitig froh war) die Methode. Dann sagte er, das ich nicht erschrecken soll wenn er bald seine rechte Hand auf meine linke Hand legt. Wir gingen immer noch und unterhielten uns über die artgerechte und freundliche Hundeerziehung. Plötzlich legte er seine Hand auf meine. Eloni drehte um und kam zwischen uns. Das mich das zum Staunen brachte, muss ich wohl nicht lange erklären.
So begann die tolle Zeit in der Hundeschule Beat Meuri und Familie.
Eloni lernte sich an mir zu orientieren. Anfangs waren natürlich die Autos immer noch ein Thema. Ich konnte aber allmählich erfahren wie sich die junge Hündin änderte und ich dabei zentraler wurde. Immer wieder übte ich die Hündin quer vor mich zu stellen. Alles „entschleunigte“ sich. Dann gingen wir wieder weiter. Ganz kleine Fortschritte konnte ich spüren. Auch Rückschläge gab es. Meist dann wenn ich in Gedanken etwas abschweifte.
Ich bin äusserst froh das Beat uns gelernt hat, mit dem Hund nicht zu sprechen. So kann ich mich aufs Wesentliche konzentrieren. Nicht mehr nach Kommandos zu suchen machte es mir viel einfacher. Mit Futter belohnen- das fällt ganz weg. Das entspannt mich auf dem Spaziergang. Eloni fragt auch nicht nach Futter. Ich gebe ihr unterwegs hin und wieder etwas Futter wenn es keine Bedeutung hat. Aber nicht jeden Tag.
Wenn ich gefragt werde wie denn diese Methode angewendet werden kann, dann ist das meine Antwort:
Es ist wie Schuhe binden. Das kann man auch nicht erklären- man kann es nur zeigen. Wenn der Schuh nicht richtig gebunden ist, dann öffnet er sich und er muss wieder gebunden werden. Wenn er richtig gebunden ist, dann kann man laufen. Genau so funktioniert die Methode der gewaltfreien Erziehung. Das ein Hund keine Gewalt erleben darf, das war mir völlig klar. Dass der Hund sich unter Druck setzt um ans Futter oder ans Spielzeug zu gelangen, das war mir nie so richtig bewusst. Hunde welche z.B. fürs lockere Leine laufen Futter bekommen, die machen das nur für Futter. Sonst lohnt es sich nicht. Also macht sich der Hund Druck…
Ich war stets mit Freude dabei als ich mit Nero für die Begleithundeprüfungen arbeiten konnte. Heute weiss ich aber, dass alles was der Hund im Sport lernt, Kunststückchen sind. Und das ist ganz viel Druck. Sobald mit Kommandos gearbeitet wird, muss auch gelobt werden. Der Hund arbeitet unter Druck. Ich arbeitete mit Nero sorgsam und gönnte ihm stets viel Ruhe. Auch er arbeitete unter einem gewissen Druck. Darum gönnte ich ihm genügend Pausen und lockere Spaziergänge. Wenn man seinen Hund für den Sport vorgesehen hat, dann bitte ich alle Hundehalter den Hund nicht zu vergessen, denn nicht selten stellen Hundehalter unbewusst ihre Interessen vor den Hund. Erst wenn ein Hund erzogen ist und mit dem Hundehalter eins ist,- erst dann kann (wenn überhaupt) an den Hundesport gedacht werden.
Wenn ich zurück blicke, an die Zeit als ich beinahe verzweifelte, dann darf ich mich heute zu den glücklichen Hundehaltern zählen. Glücklich weil ich bereits sehr vieles was ich in der Hundeschule Meuri gelernt hatte, auch anwenden und umsetzen kann, und glücklich, weil Eloni und ich wieder zusammen gefunden haben.
Zu guter Letzt: Zum Glück kann man nichts verlernen, was man eh noch nicht konnte…








