Kürzlich fand in Münchwilen eine Military statt – genau auf meiner üblichen Übungsroute, nur dass wir in entgegengesetzter Richtung unterwegs waren. Als wir einer Gruppe von rund zwanzig Hunden begegneten, von denen etwa zehn auf einer befahrenen Strasse frei liefen, blieb mein Hund Mikesch stehen. Die Situation war unberechenbar, und er musste einschätzen, ob wir gefahrlos weitergehen konnten.

Erst als die Hundehalter ihre Hunde widerwillig anleinten, konnte Mikesch weiterlaufen. Später, auf der anderen Seite des Weihers, begegneten wir derselben Gruppe erneut. Wieder waren viele Hunde frei, wieder blieb Mikesch stehen und wartete, bis die Lage sicher war.

Als wir uns kreuzten, sprach mich ein Mann an – vermutlich der Hundetrainer der Gruppe – und fragte, ob mein Hund ängstlich sei. Ich fragte ihn, warum er das denke. Seine Antwort: „Weil er stehen bleibt, wenn andere Hunde kommen.“

Ich erklärte ihm, dass Mikesch ein weisses Führgeschirr trägt und somit ein Blindenführhund ist. Wenn wir einer solchen Gruppe begegnen, muss er entscheiden, ob wir sicher durchkommen oder ob das Risiko zu gross ist. Ein Blinder sieht nicht, was um ihn herum passiert. Mikesch ist also nicht ängstlich – er ist klug. Er hat erkannt, dass das Risiko einer Attacke gross war, und hat die einzig richtige Entscheidung getroffen: warten, bis die anderen Hunde angeleint sind. Hätten sie das nicht getan, hätte er umdrehen und mich aus der Gefahrenzone bringen müssen.

Der Mann wurde sichtlich unruhig und ging ohne Kommentar weiter.

Glauben Sie mir: Was ich hier beschreibe, ist aussergewöhnliches Können eines Hundes – und nur mit grossem Wissen erreichbar. Das ist nicht der Standard unter Blindenführhunden.