Der Dobermann

Vor vielen Jahren kam ein älterer Herr mit seinem 12 Monate alten Dobermann zu uns und bat verzweifelt um Hilfe. Er hatte bis dahin wöchentlich ein- bis zweimal eine auf Dobermänner spezialisierte Hundeschule besucht. Doch anstatt Sicherheit zu gewinnen, wurde sein Hund immer unsicherer – und reagierte zunehmend aggressiv auf alles, was sich bewegte.

Der Dobermann war nicht „schwierig“, wie man ihm eingeredet hatte. Er war schlicht überfordert, verunsichert und ohne Orientierung. Die gut gemeinten, aber für ihn falschen Trainingsmethoden hatten seine innere Balance zerstört.

Wir sagten ihm, dass er jederzeit zu uns kommen könne – aber nur, wenn er bereit sei, einen völlig neuen Weg zu gehen. Keine alten Muster, keine Technik, keine Härte. Ein kompletter Neustart. Weil er seinen Hund liebte, war er dazu bereit. Er begann von vorne und setzte alles daran, wirklich zu verstehen und zu lernen.

Und genau das machte den Unterschied.                                                                                       Er nahm jede Anleitung ernst, arbeitete geduldig und konsequent, und schon bald

zeigten sich die ersten Fortschritte. Der Dobermann wurde ruhiger, sicherer und

begann, seinem Menschen zu vertrauen. Schritt für Schritt wuchsen die beiden zu

einem echten Team zusammen.

Mit der Zeit gelang es ihm, aus einem verunsicherten und aggressiven Hund einen zuverlässigen Begleiter zu formen, mit dem er wieder alles unternehmen konnte. Ein Hund, der nicht mehr aus Angst reagierte, sondern aus Vertrauen.

Etwa drei Monate später erhielten wir einen Anruf von der Tochter des ehemaligen Halters. Sie fragte, ob wir wüssten, was mit dem Dobermann geschehen sei. Wir verneinten – und erfuhren dann, dass der Hund eingeschläfert worden war. Der neue Besitzer hatte behauptet, es handle sich um einen aggressiven Hund.

So nah liegen „lieb“ und „böse“beieinander.

Dieser Hund musste sterben, weil ein Mensch nicht bereit war, sich zu fragen, was er selbst falsch machte, dass der Hund so reagierte.