Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben, das zeigt, was unsere Hundeerziehung grundlegend von der klassischen Dressur unterscheidet.
In der herkömmlichen Hundeausbildung geht es darum, dem Hund Kommandos oder Handzeichen beizubringen, die er auf Befehl ausführen muss. Der Mensch lernt, wie er diese Befehle gibt, und der Hund lernt, wie er sie ausführt. Doch ein dressierter Hund kann diese Kommandos nur in den Situationen anwenden, in denen er sie gelernt hat. Das bedeutet: Wenn Sie einen solchen Hund ins Platz legen, müssen Sie ständig Druck ausüben, damit er bleibt, und ihn danach belohnen, damit er einen Grund hat, liegen zu bleiben. Kurz gesagt: Sie zwingen ihn, etwas zu tun, weil Sie es befehlen. Ob sich ein Hund in solchen Momenten wirklich glücklich fühlt, muss jeder für sich selbst beantworten.
Odin

Wir arbeiten völlig anders. Wir zwingen unsere Hunde nie. Wir zeigen ihnen den Weg dorthin, wo wir sie haben möchten – ohne Befehle, ohne Druck, ohne Bestechung. Wir bringen ihnen Selbstständigkeit bei und bauen Vertrauen auf, bis der Hund das Richtige von sich aus tut.
Ein Beispiel: Ich war mit einer Gruppe in Winterthur unterwegs. Dabei hatte ich meinen damals neun Monate alten Irish Setter Odin. Während ich den Hundehaltern etwas erklärte, legte sich Odin von selbst hin, weil er verstand, dass es länger dauern würde. Irgendwann stand ich mit dem Rücken zu ihm und erklärte weiter. Plötzlich begannen alle zu schmunzeln. Ich drehte mich um – und sah, dass zwei Tauben im Abstand von einem Meter um Odin herumspazierten. Odin lag immer noch ruhig da. Als er bemerkte, dass ich ihn anschaute, schaute er zurück. Ich ging zwei Schritte weiter, und er stand ruhig auf und kam zu mir.
Odin hatte also selbst entschieden, liegen zu bleiben und die Tauben nicht zu jagen – lange bevor ich überhaupt wusste, dass sie da waren. Und als er merkte, dass ich wieder aufmerksam war, kam er von sich aus zu mir. Für einen Irish Setter, für den Vögel normalerweise der höchste Schwierigkeitsgrad sind, ist das eine enorme Leistung.
Genau das ist unser Ziel: Wir bringen unseren Hunden bei, das Richtige selbst zu tun. Dadurch können wir ihnen viel mehr vertrauen – und sie uns auch. Das bedeutet aber auch, dass Sie lernen müssen, mental mit Ihrem Hund zu kommunizieren. Dafür haben wir einen Trainingsplan entwickelt, der Sie automatisch in die richtige Kommunikation führt. Diese Arbeitsweise können Sie nur bei uns lernen.
Wäre Odin in dieser Situation ein dressierter Hund gewesen, hätte ich ständig neben ihm stehen und ihn beobachten müssen. Als die Tauben kamen, hätte ich Druck ausüben müssen, damit er liegen bleibt. Es wäre eine stressige, vertrauensabbauende Situation entstanden – für ihn und für mich. Bei unserer Methode blieb alles entspannt, obwohl der Schwierigkeitsgrad für Odin bei 200 Prozent lag.